Viel Wirbel um die Scham
 |
| Muss die Haut an wirklich allen Körperstellen so glatt sein? |
"Igitt", die hat ja ihre Achselhaare nicht wegrasiert", kommentierte meine Freundin, nachdem ich sie mit einer anderen Freundin bekannt gemacht hatte. Die geschockte Freundin A ist bekennende Haarlose in allen Bereichen außer auf dem Kopf. Freundin B, also die mit der hässlichen Körperbehaarung ist Sozialpädagogin. Nicht, dass es unbedingt am Berufsbild hängt, aber ganz unwichtig erschient mir die Erwähnung ihres Jobs jetzt nicht. Meine andere Freundin ist übrigens Buchhälterin und arbeitet für einen großen Vergnügungsbetrieb mit Fitness-Studio und Diskotheken.
Eklig fanden die Kommentatoren eines amerikanischen Blogs auch die Beinhaare von Celine Dion während eines Auftritts. Ganz gemein fotografiert gegen Licht, wo man wirklich jedes einzelne Härchen, man muss wohl sagen Fläumchen erkennen kann.
Jaja, kaum ist der Frühling da, wird auch zeitgleich die Diskussion über lästige Körperbehaarung losgetreten. Eine nahezu pikante, ja haarige Angelegenheit ist das! In Internet-Foren, Beauty-Magazinen und jetzt auch auf dem Buchmarkt sind die Haare oder die Methoden, wie man sie wieder wegbekommt, Thema Nr. 1. Da kommt Charlotte Roches neuer, sehr umstrittener Debütroman "Feuchtgebiete" ja gerade recht. Sie greift mit ihrem bewusst provokativen, eklig geschriebenen Roman den übertriebenen Hygienewahn von uns Frauen und der Gesellschaft an, in der wir leben und uns bis zum Erbrechen rasieren. Frauen, sollten ihre Zeit lieber mit Karriere machen und Geldverdienen zu bringen, anstatt stundenlang im Bad ihre Zeit mit dem Rasur-Ritual zu verplempern, so ihr Fazit.
Gedankensprung: Ich stehe in meiner Lieblingsdrogerie vor dem monströsen Regal mit den vielen Produkten für die Damenrasur: Rasierer mit integrierter Cremekapsel die unter Wasser Schaum produzieren, Dusch-Rasier-Cremes für den ganzen Body oder Mini-Rasierer in poppigen Farben gezielt für die Bikini-Zone, wie es so schön heißt. Offensichtlich bin ich, was die neuesten Entwicklungen der Rasur-Mode angeht, nicht ganz auf dem Laufenden. Ich staune darüber, was es so alles gibt in dem Bereich und fingere mir ein Paket mit Kaltwachsstreifen für die Beinbehaarung heraus. Hab ich noch nie probiert, will ich mal testen. Zuhause gönne ich mir dann gleich dieses "Kleb-Ratsch-Ziep-Verfahren", aber die Beine wollen sich nicht ganz enthaaren lassen und außerdem fängt es in der Nacht wie irre an zu jucken und kleine Pöckchen bilden sich.
Na toll, jetzt geht es los mit dem Stress: Wie wird das erst in der Bikini-Zone? Will ich überhaupt so einen kompletten Kahlschlag? Ich denke an den Juckreiz danach. Charlotte meint in einem Interview dazu: "Indem sich Frauen ganz glatt rasieren, tun sie so, als seien sie noch vor der Pubertät". Angeregt durch diesen Satz philosophiere ich weiter: Wollen wir Frauen nicht erwachsen werden? Sind Haare immer eklig? Fühlen sich aalglatte Körper besser an? Fahren Männer wirklich so auf Frauen "unten ohne" ab?
Aalglatt gleich ohne Haken und Ösen. Ohne Widerspruch und Kommentar. "Wer Haare an den Beinen hat, muss auch welche auf den Zähnen haben", ist meine Erkenntnis.
Ich möchte wirklich nicht aussehen, wie ein "urwaldmonströses" Weib um noch mal Charlottes Wortschatz zu bemühen, aber ein bisschen Biss, ein bisschen Wildheit und Frau-Sein darf schon sein. Und wenn es nur in Form eines Dreiecks in der Bikini-Zone ist... So ganz scham-los ist doch langweilig, oder?
Ihre Cosmotina
|
|
|
|
|
Artikelnavigation:
» Viel Wirbel um die Scham
|
|
 |
|