Interview: Die Rose ist für uns ein sehr wertvoller Rohstoff

Datum: 22. Februar 2018 • Autor: Cosmoty.de Redaktion

Die Rose ist für uns ein wertvoller und unverzichtbarer Rohstoff
Im Gespräch mit Ralf Kunert, Leiter Rohstoffbeschaffung bei der WALA Heilmittel GmbH, und Peter Schmich, zuständig für den Einkauf ätherischer Öle, über die Bedeutung der Rose in den WALA Arzneimitteln und den Dr. Hauschka Präparaten und die Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern.

Bestandteile von Rosen werden in zahlreichen WALA Arzneimitteln und Präparaten von Dr. Hauschka verwendet. Welche Bedeutung hat die Rose als Rohstoff grundsätzlich für die Produkte?

Schmich: Für uns hat die Rose eine sehr große Bedeutung, sie ist ein strategischer Rohstoff, den wir in verschiedenen Formen einsetzen. Im Vordergrund steht das ätherische Rosenöl vor allem seines Duftes wegen und spielt besonders bei den Dr. Hauschka Präparaten eine wesentliche Rolle. Außer dem Duft hat das ätherische Rosenöl auch konservierende Eigenschaften. Da chemisch-synthetische Konservierungsstoffe bei uns nicht in Frage kommen, verleiht das ätherische Rosenöl unseren Präparaten auf natürliche Weise Stabilität.

Kunert: Die Rose symbolisiert sozusagen die Grundeigenschaften unserer Dr. Hauschka Kosmetik und steht für deren Wirkprinzip. Sie ist ausgleichend, beruhigend und anregend. In der Rose spiegelt sich das Gesamtkonzept der Dr. Hauschka Kosmetik wider – und deshalb verarbeiten wir sie in nahezu allen Präparaten. Darüber hinaus setzen wir Auszüge aus der Rose aber auch bei den WALA Arzneimitteln ein – zwar lediglich in einem deutlich geringeren Umfang, allerdings in potenzierter Form.

Können Sie sagen, in wie vielen verschiedenen Präparaten Inhaltsstoffe aus Rosen enthalten sind?

Schmich: Einfacher wäre es zu sagen, welche Dr. Hauschka Produkte keine Rose beinhalten. Mit Ausnahme unserer Dr. Hauschka Med Präparate setzen wir die Rose praktisch in allen Präparaten ein, allerdings ist der Anteil unterschiedlich hoch. Bei den WALA Arzneimitteln kommt die Rose zum Beispiel in den Euphrasia Augentropfen und der Rosatum Heilsalbe zum Einsatz.

Welche unterschiedlichen Rohstoffe aus der Rose werden bei WALA verwendet?

Schmich: Wir nutzen die Rose vielseitig; die einfachste Form ist die Verwendung der frischen Blüten zur Herstellung eines wässrigen Auszugs. Dieser ist übrigens ohne Alkohol haltbar. Der WALA Firmengründer Dr. Rudolf Hauschka hatte Ende der 1920er Jahre ein spezielles Extraktionsverfahren entwickelt, nach dem wir heute noch arbeiten und das auch Eingang in das Homöopathische Arzneibuch gefunden hat.

Getrocknete Blüten werden mit Pflanzenöl zu einem Rösen-Ölauszug verarbeitet. Die von uns am häufigsten verwendete Form ist das Destillat, das ätherische Rosenöl. Dieses ätherische Öl ist etwas ganz Besonderes. Für ein Kilogramm ätherisches Rosenöl braucht man drei bis vier Tonnen Rosenblüten. Das entspricht einem Hektar Anbaufläche. Als Nebenprodukt entsteht dabei Rosenwasser, auch Hydrolat genannt. Desweiteren setzen wir die Rose als Absolue ein. Absolues werden klassischer Weise bei der Parfüm-Herstellung verwendet. Ein Nebenprodukt der Absolue-Herstellung, das für uns aber auch wichtig ist, ist das Rosenwachs.

Wird die gesamte Rose genutzt, oder verwenden Sie nur Teile der Pflanze?

Kunert: Bei der Rose wird ausschließlich die Blüte verwendet.

Nun existieren ja von der Rose zahlreiche unterschiedliche Sorten – haben Sie eine Präferenz?

Schmich: Wir gewinnen die Inhaltsstoffe für unsere Präparate zu 95 Prozent aus der Damaszenerrose, den Rest aus der Edelrose und der Rosa gallica. Bei der Damas-zenerrose handelt es sich um eine alte Züchtung mit vorchristlichen Wurzeln, die sich durch einen sehr hohen Gehalt an ätherischem Öl auszeichnet. In dieser Hinsicht ist die Damaszenerrose unübertroffen – und sie verbreitet darüber hinaus noch einen außergewöhnlichen Duft.

Eine Frage zum Anbau: Aus welchen Quellen beziehungsweise Ländern beziehen Sie die Rohstoffe?

Kunert: Die klassischen Anbaugebiete für Rosen haben ein gemäßigtes, häufig auch mediterranes Klima. Unsere Anbaupartner sitzen in der Türkei, in Bulgarien, im Iran, in Afghanistan und in Äthiopien. In ganz kleinem Stil bauen wir sie auch in unserem Heilpflanzengarten in Eckwälden und auf unserem firmeneigenen Demeterbauernhof an.

Beziehen Sie aus den Anbaugebieten die ganzen Rosenblüten?

Nein, wir beziehen aus den genannten Ländern als Rosenausgangsstoff das ätherische Öl. Die Rosenblüten werden frisch gepflückt und in Feldnähe zu Rosenöl verarbeitet. Dieses ist gut lagerfähig und lässt sich unkompliziert transportieren. Die Wertschöpfung findet also im Anbauland statt. An zweiter Stelle steht für uns das Rosenwasser, das wir ebenfalls direkt aus den Rosenanbauländern beziehen. Für die Rosen-Ölauszüge allerdings werden die getrockneten Rosenblüten bei uns angeliefert und hier weiterverarbeitet.

Die Zusammenarbeit mit einer türkischen Rosenkooperative war Ihr erstes Rohstoffprojekt. In Afghanistan unterstützen Sie ein Rosenanbauprojekt der Welthungerhilfe. Ist für Sie der Rohstoffeinkauf mehr als „nur“ die Beschaffung von Ausgangsmaterialien für die Herstellung Ihrer Präparate?

Kunert: Der Anlass für ein Projekt ist immer, dass wir einen Rohstoff benötigen. Aber wir wissen auch, dass das nur gelingen kann, wenn eine ökologische Nachhaltigkeit auch durch eine soziale Nachhaltigkeit ergänzt wird. In diesem Zusammenhang ist Afghanistan ein sehr schönes Projekt. In Kooperation mit der Welthungerhilfe arbeiten wir dort seit 2004 mit etwa 800 Kleinbauern und deren Familien zusammen. Die Menschen bekommen dadurch ein regelmäßiges Einkommen und können sich Dienstleistungen wie Arztbesuche leisten oder Lebensmittel kaufen, die sie nicht selbst anbauen. Wir mussten die Menschen nur überzeugen, dass sie anstelle von Schlafmohn jetzt Rosen kultivieren, dies war ein erklärtes Ziel des Projektes. Mit Rosen allerdings hatten die meisten bei Start des Projekts keine Erfahrung. Deshalb haben wir der Welthungerhilfe unseren Berater für biologisch-dynamischen Landbau zur Seite gestellt.

Und wie haben Sie es geschafft, die Rose dort zu etablieren?

Schmich: Wir wussten, dass die klimatischen Bedingungen für den Rosenanbau in Afghanistan sehr gut sind. Basis für das Projekt war der Pflanzenimport aus Bulgarien. Als die Rose in Afghanistan angesiedelt war, konnten die Kleinbauern mit der Vermehrung und der Erweiterung der Anbauflächen beginnen.

Nun haben Sie erwähnt, dass die Rosenblüten vor Ort verarbeitet werden. Waren das Know-how und die technische Ausrüstung vorhanden?

Kunert: Auch in dieser Beziehung mussten wir Aufbauarbeit leisten, denn wir benötigen eine konstant gute Qualität des ätherischen Rosenöls. Deshalb haben wir die Welthungerhilfe unterstützt, die Möglichkeiten zur Destillation vor Ort aufzubauen und damit einen hohen Standard etabliert. Heute verfügen unsere Partner in Afghanistan über eine sehr moderne Technik, und die Produktion kann wirtschaft-lich mit der in den anderen Ländern mithalten. Die Rose als Kulturpflanze fühlt sich dort sehr wohl und liefert gute Erträge.

Sie würden also sagen, dass Ihr Projekt in Afghanistan ein Erfolg war und auch den Menschen vor Ort einen Nutzen bringt?

Schmich: Ganz eindeutig ja. Es gibt vielen Menschen Arbeit und Einkommen, und durch die Verarbeitung vor Ort bleibt auch die Wertschöpfung im Land. Zahlreiche Bauern produzieren inzwischen nicht mehr nur für den Export, sondern auch für den lokalen Markt. Das Rosenwasser ist in ganz Afghanistan ein begehrtes Produkt. Ökonomisch ist die Rose für die Kleinbauern mittlerweile mindestens so interessant wie Mohn, für den zwar höhere Preise bezahlt werden, der aber einen wesentlich höheren Kapitaleinsatz erfordert. Wir müssen jedoch erwähnen, dass die Rose mit 100 Hektar Anbaufläche dort keine Alternative zum Mohnanbau auf 80 000 Hektar darstellt. Dennoch zeigt das Projekt den Menschen, dass auch mit anderen wertbringenden Früchten und Feldkulturen Geld zu verdienen ist.

Im Auftrag der WALA werden auf einer Farm in Äthiopien seit einigen Jahren Damaszenerrosen angebaut. Welche Vorteile bietet dieses Land?

Kunert: Das Projekt in Äthiopien ist ähnlich gelagert wie in Afghanistan. Äthiopien bietet günstige klimatische Bedingungen, deshalb werden dort seit einiger Zeit im großen Stil Schnittrosen angebaut und ohne weitere Veredelungsschritte exportiert. Bei unserer ätherischen Rosenölherstellung ist das anders, wir setzen auf Nachhaltigkeit, soziale und wirtschaftliche Entwicklung im Land. Wir vermitteln den Bauern das Know-how in biologisch-dynamischer Landwirtschaft – und dieses können sie jetzt nicht nur für unsere Aufträge nutzen, sondern auch für andere Unternehmen. Den Kontakt halten wir über einen Mitarbeiter, der immer wieder vor Ort ist und unsere Partner dort berät.

Schmich: Die Kombination aus der Nähe zum Äquator und der besonderen Höhenlage weiter Landesteile, die mehr als 2000 Meter über dem Meeresspiegel liegen, bietet interessante Bedingungen für den Rosenanbau. Und tatsächlich beobachten wir dort eine zweite Blühzeit im Herbst. Dies ist ökonomisch sinnvoll, weil die Destille dadurch zweimal im Jahr ausgelastet ist.

Nun gehören die genannten Länder ja nicht zu den wirtschaftlich und politisch stabilen Regionen. Wie zuverlässig sind Ihre Lieferanten?

Kunert: Bislang hat es in dieser Richtung keine Probleme gegeben. Aber gerade um Lieferengpässe zu vermeiden und Risiken zu minimieren, arbeiten wir mit Partnern in unterschiedlichen Ländern zusammen. Wenn es in einer Region zu Schwierigkeiten kommt – sei es aufgrund politischer Unruhen oder wegen witterungsbedingter Ernteausfälle – können wir dies kompensieren. Außerdem lässt sich ätherisches Rosenöl gut lagern, und wir verfügen immer über einen gewissen Pufferbestand.

Schmich: Hinzu kommt, dass wir bei unseren Partnern als verlässlicher Abnehmer bekannt sind. Bei Lieferengpässen zahlt sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aus.

Liefertreue ist die eine Seite. Aber wie stellen Sie die gleichbleibende Qualität der Rohstoffe in den Anbaugebieten sicher?

Schmich: Durch unsere enge Zusammenarbeit und die konsequente Umsetzung des ökologischen Landbaus, den wir als Standard einfordern. Auch das nötige Fachwissen für die Verarbeitung und die technischen Voraussetzungen haben wir bei unseren Partnern etabliert, darauf können wir uns verlassen. Durch unsere Analytik erkennen wir eventuelle Probleme schnell und nehmen direkt Kontakt mit unseren Ansprechpartnern vor Ort auf, um Schwachstellen zu beseitigen.

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