Ab in den Müll mit der Augencreme?

Datum: 22. Februar 2018 • Autor: Cosmoty.de Redaktion

So eine Frechheit! Da tritt eine mir unbekannte Kosmetikexpertin namens Paula Begoun in die Öffentlichkeit und wirft mein komplettes Weltbild von Kosmetikprodukten über den Haufen. Grundtenor: Augenfaltencremes taugen nix, Cellulite-Produkte bringen nix. Die kanadische „Kosmetik-Polizistin“ hat angeblich so ziemlich alle gängigen Beauty-Helfer durch- getestet und auch mehrere Bestseller über den Sinn und Unsinn von Inhaltsstoffen geschrieben.

Das ist ja ein gefundenes Fressen für Kritiker, Sparsame und Liebhaber von Stiftung Warentest und Öko-Test-Leserinnen! Ich gehe gerade im Geiste meine geliebten Cremes und Kosmetikprodukte durch und frage mich, was demnach wohl alles „für die Tonne“ ist. Zu komisch finde ich allerdings, dass meine Haut unter den Augen noch unglaublich frisch aussieht, da ich seit meinem 26. Lebensjahr fleißig Augenfaltencreme benutze. Soll ich den Pott mit der Augencreme nun wegwerfen, ja oder nein? Mal davon abgesehen, dass eine normale Tagescreme so unangenehm in die Augen kriecht und da eigentlich nichts zu suchen hat… Ist meine pflegende Eye-Correction nur ein Placebo?

Ich finde, solche Damen wie Frau Begoun, so lobenswert auch ihre Arbeit sein mag, super anstrengend. Das geht ja dann noch weiter und wirkt sich auf mein gesamtes Leben als kleine, noch ahnungslose Verbraucherin aus. Die Medien puschen diesen Effekt: Verstopft Mineralöl nun die Poren oder nicht? Sind die Bio-Nudeln von Aldi eigentlich wirklich Bio oder am Ende gut getarnte Standard-Ware? Bekommen wir jetzt tatsächlich BSE-freies Rindfleisch (wonach im Übrigen kein Hahn mehr kräht), oder sind wir nicht schon alle mit dem Erreger infiziert? Demnächst stellt man wahrscheinlich noch fest, dass der gesunde Grüntee doch nicht Krebs vorbeugend ist, sondern schlimme Spuren eines gesundheitsschädigenden Pestizids enthält.

Noch mehr Beispiele für diesen Vergleichswahn gefällig?

Eine sparsame Nachbarin verglich immer die Preise mehrere Supermärkte miteinander und lief dann 3 km weiter in den nächsten Laden, weil die Butter dort 30 Cent billiger war. So was nennt man dann auch supereffektive Haushaltsführung! Oder eine schwangere Freundin von mir, eigentlich eine entspannte Frau, wird jetzt total unsicher, weil sie so viele Ratgeber über Schwangerschaft, Stillen und Geburt gelesen hat. Jetzt schiebt sie plötzlich Panik vor der Geburt und hat Angst, dass es mit dem Stillen nicht klappt. Na toll. Der Ratgeberdschungel umgarnt uns. Je mehr Infos, desto mehr Fragen. Je mehr Experten, desto mehr Unsicherheit. Fragst du heute drei Fachleute, bekommst du mindestens 13 verschiedene Meinungen.

Sollen wir deshalb wieder alle in den Urwald gehen, uns Schlammpackungen auf Gesicht und in die Haare schmieren und den altbewährten Henna-Style wieder auflegen? Wohl kaum! Aber ich bleibe dabei: Vergleichen macht unglücklich. Wenn ich 5 Freundinnen nebeneinander stelle und ihre Hinterteile vergleiche, wird es immer welche geben, die einen dickeren Po haben, als ich und solche, deren Allerwertester schlanker ist, als meiner. So what? Ich möchte mir weiter die Creme ins Gesicht schmieren, die sich schön anfühlt, die mir gut tut und die gut riecht. Basta! Meine Seele isst auch mit. Meine Emotionen haben ein Mitspracherecht, liebe Frau Begoun mit dem Sezierblick!

In faltenloser Schönheit grüßt Sie

Ihre Cosmotina

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