Experteninterview: Unreine Haut bei Erwachsenen

Datum: 22. Februar 2018 • Autor: Cosmoty.de Redaktion

Dr. med. Nadja Reitmeier, Fachärztin für Dermatologie und Allergologie im Dermatologikum Hamburg: “Unreine Haut in der Jugend und im Alter hat unterschiedliche Pflegebedürfnisse!

1. Wie entsteht unreine Haut?

Unreinheiten entstehen am Talgdrüsenfollikel. Verhornungsstörungen am Follikel, Bakterien, ein Anstieg männlicher Hormone und eine hohe Entzündungsbereitschaft fördern die Entstehung von Hautunreinheiten. Die Poren verhornen, Mitesser bilden und entzünden sich: Pickel entstehen. Aber auch das Klima und die Lebensumstände, wie zum Beispiel eine zu geringe Sauerstoffzufuhr und der Verzehr von Kohlenhydraten, spielen eine Rolle.

2. Was ist der Unterschied zwischen “unreiner Haut in der Pubertät” und “unreiner Haut bei Erwachsenen”?

Junge Haut ist häufig empfindlicher und unterscheidet sich auch in anderen Kriterien von erwachsener Haut – das hat anatomische, immunologische und hormonelle Ursachen. Jüngere Haut besitzt noch keine Lichtschwiele und eine dünnere Hornschicht. Ältere Haut ist durch oxidativen Stress – der vor allem durch Sonne verursacht wird – eher abgehärtet. Die UV-Strahlen der Sonne führen zu der Ausbildung einer dickeren Hornschicht und somit langfristig zur Bildung von Lichtschwielen. Die Unreinheiten entstehen aber, ob bei junger oder älterer Haut, nach dem gleichen Prinzip – am Talgdrüsenfollikel. Trotzdem hat unreine Haut in der Jugend und im Alter unterschiedliche Pflegebedürfnisse.

3. Ist unreine Haut vererbbar?

Patienten, deren Eltern eine schwere Akne in der Jugend hatten, haben ein erhöhtes Risiko auch an einer schweren Akne zu erkranken. Aber ob vererbbar oder nicht, jeder kann unreiner Haut vorbeugen. Deshalb ist es wichtig, seine Haut schon frühzeitig im Jugendalter mit den richtigen Produkten zu reinigen und zu pflegen – und dies auch bis ins Erwachsenenalter fortzuführen. Der Besuch beim Dermatologen kann außerdem helfen, die Bedürfnisse der Haut zu verstehen und die richtige Reinigung zu finden.

4. Wie viele Frauen leiden unter unreiner Haut?

Mit unreiner Haut haben viele Frauen zu kämpfen – und das nicht nur im Teenageralter. Bei einer Umfrage der Harvard Medical School mit 2.895 Frauen zwischen 10 und 70 Jahren waren es rund 55 Prozent, die zu Unreinheiten neigten. Von diesen Frauen litten 28 Prozent unter einer leichten Form und 27 Prozent unter einer schweren Form der Akne. Bei den befragten Frauen im Alter von 21-30 Jahren waren 45 Prozent von Unreinheiten betroffen, 26 Prozent bei den 31-40-jährigen und 12 Prozent bei den 41-50-jährigen. Unreinheiten bei erwachsener Haut ist also durchaus ein Thema.

5. Was können die Ursachen von unreiner Haut bei Erwachsenen sein?

Bei Frauen spielen hormonelle Schwankungen eine große Rolle, etwa durch Schwangerschaft oder einen unregelmäßigen Zyklus. Die wichtigsten Hormone für die Haut sind vermutlich die Sexualhormone und die Schilddrüsenhormone. Der genaue Mechanismus ist bei erwachsenen Frauen noch nicht so gut erforscht wie bei Jugendlichen. Bei der jungen Haut spielen Faktoren wie die vermehrte Aktivität der Talgdrüsen, der Einfluss männlicher Hormone, Entzündungen, die Besiedlung mit Bakterien sowie die Genetik eine Rolle.

6. Wann sollte man einen Dermatologen aufsuchen?

Ein paar Mitesser in der T-Zone hat jeder, treten aber vermehrt Pusteln und Entzündungen auf, sollte man zum Dermatologen. Der klärt auf, berät und unterstützt dabei, die richtige Hautpflege zu finden. Man sollte mit dem Besuch beim Dermatologen nicht zu lange warten, denn er kann dank seiner Expertise und moderner Therapeutika eine Verschlechterung der Haut und Narbenbildung vorbeugen.

7. Worauf ist bei der Hautpflege zu achten?

In der Therapie will man die Haut “trocken fahren”, um die Talgproduktion zu drosseln. Das kann jedoch zu Spannungsgefühlen und Trockenheitsfältchen führen. Daher sind feuchtigkeitsspendende Fluide, Gele oder Cremes auf Wasserbasis gut. Diese wirken ohne zu reizen oder auszutrocknen. Für eine zusätzliche Anti-Age-Pflege eignen sich Seren. Die Haut wird dank ihnen in hoher Konzentration mit Anti-Age-Wirkstoffen versorgt, ohne zu fetten.

8. Wie kann man die Haut außerdem unterstützen?

Ergänzend zur Pflege sollte man sich gesund ernähren, besonders wertvoll sind Omega-3-Fettsäuren, Sojamilch, Grüner Tee und viel Gemüse. Eher ungünstig wirken sich Milchprodukte und Kohlenhydrate aus. Demnach sollte man beispielsweise Jogurt und Weißbrot eher in Maßen genießen. Günstig wirkt es sich auch aus, wenn man viel Sport treibt und auf das Rauchen verzichtet. Generell ist eine ausgewogene Work-Life-Balance wichtig.

9. Hat Stress denn eine negative Auswirkung auf die Haut?

Stress ist als Risikofaktor in Studien nicht belegt, spielt aber sicherlich eine Rolle, vor allem dauerhafter Stress. Er fördert die Bildung von freien Sauerstoffradikalen, welche die Regeneration der Haut auf Dauer verhindern.

10. Die Sommer-Saison geht gerade los: Worauf muss man beim Sonnenschutz achten, wenn die Haut zu Unreinheiten neigt?

Man sollte bei unreiner Haut eher zu einem Fluid oder Gel mit Sonnenschutz greifen. Eine normale Sonnenschutzcreme ist häufig zu fetthaltig. Fluide und Gele mit Lichtschutz versorgen die Haut mit Wirkstoffen und schützen vor Sonnenstrahlen, ohne zu fetten. Es gibt inzwischen aber auch Sonnenschutz speziell für unreine Haut.

Frau Dr. med. Nadja Reitmeier ist als Fachärztin für Dermatologie und Allergologie im Dermatologikum Hamburg tätig. Dort betreut sie Patienten in den Bereichen der allgemeinen klinischen Dermatologie, der Allergologie, der Lasermedizin und der ästhetischen Dermatologie. Das Dermatologikum Hamburg ist die größte dermatologische Gemeinschaftspraxis in Europa mit über 100 fest angestellten Mitarbeitern. Zudem unterstützt Frau Dr. med. Nadja Reitmeier mit ihrem Fachwissen das NIVEA Team und beantwortet in der Expertenlounge Fragen rund um das Thema Hautalterung und Anti-Age.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
(49 Bewertungen, Durchschnitt: 4,41 von 5)
Loading...

Empfehlen Sie diesen Artikel Ihren Freunden:

Weitere Artikel zum Thema:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.