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Chandler Burr: 'Ein gutes Parfüm ist wie ein Feuerwerk'

Chandler Burr: Ein gutes Parfüm ist wie ein Feuerwerk

"Ich hatte nie Interesse an Parfüm", bekennt der amerikanische Journalist und Buchautor. Ein einschneidendes Bekehrungserlebnis hin zu der Materie, war die Begegnung des Weltreisenden im Pariser Gare du Nord mit einem Biophysiker, der sich mit Gerüchen beschäftigte. Nach drei Stunden Unterhaltung beschloss Chandler Burr, ein Buch über den Mann mit dem faszinierenden Beruf zu schreiben. "The Empereor of Scent: A Year Inside The Perfume Industrie in Paris & New York" erschien Anfang 2008 und beschreibt Chandler Burrs Zeit mit Hermès und Coty anlässlich der Herstellung der Düfte Un Jardin sur le Nil und Sarah Jessica Parkers Duft Lovely. Für jeweils ein Jahr schaute Burr hinter die Kulissen der Parfümhersteller und beobachtete die kreativen und kommerziellen Abläufe der Entwicklung der beiden Düfte.


Wie die Jungfrau zum Kinde

So kam also der studierte Wirtschaftswissenschaftler und Japanologe, der nebenbei auch noch fließend Französisch und Italienisch spricht, in Manila gearbeitet und in Peking und Paris studiert hat, in die Welt der Düfte, was ein bisschen so klingt, wie die berühmte Story von der Jungfrau, die ganz unverhofft zu ihrem Nachwuchs kam. Seinesgleichen sucht man übrigens vergebens, weiß die deutsche Presse, denn nur noch eine Kritikerin befindet sich im Duftuniversum, eine Französin. Der Rest sind Blogger, deren Hobbies Düfte sind. Insofern ist Burrs Position weltweit einzigartig. Ein Privileg!


Düfte sind Kunstwerke

Das stattlich aussehende Allroundtalent mit wachem Blick und verschmitztem Humor hat so seine eigene Auffassung von Düften entwickelt. Vielleicht auch gerade wegen der unkonventionellen Berufskarriere, die Chandler Burr beschritten hat. Als die New York Times den Journalisten und Autor darum bat, Kolumnen für die renommierte Zeitung zu verfassen, stellte Burr dem Blatt seine Bedingung vor: Düfte sind Kunstwerke für die Nase wie Gemälde fürs Auge und Musik für die Ohren und deshalb werde ich über Düfte nur wie ein Kunstkritiker schreiben. So klingen denn seine Schilderungen auch immer ein bisschen wie ein rhetorisches Gemälde und ein Duft riecht schon mal so "wie ein früher Abend auf einer Insel, wo immer Sommer ist."


CNBC Interview mit Chandler Burr


Burrs Ansicht von Düften als Kunstwerke beeindruckte die Zeitungsmacher und so wurde er im August 2006 exklusiv von der New York Times als Parfümkritiker engagiert, der wohlgemerkt unabhängig von Anzeigenkunden - immerhin ist die Duftindustrie in den USA ein 21-Billionen-Dollar teures Geschäft, sämtliche Duftwässerchen unter die Lupe nimmt, erschnuppert und dann entweder zerreißt oder über den grünen Klee lobt. Nein, natürlich gibt es auch noch etwas dazwischen. Aber im Grunde polarisiert Chandler Burr die Duftwelt in mehr oder weniger geniale oder unbedeutende Düfte. Hat ein Parfüm null Punkte, sollte es sich schämen, weist es dagegen fünf Sterne auf, kann es stolz sein. Wird eine Duftmarke vor ihrer Einführung in den amerikanischen Markt so dermaßen von Burr zerrissen, dann hat sie ganz gewiss Absatzprobleme. Andersherum muss nicht gleich jedes von Burr gelobte Parfüm zu einem Bestseller werden.


Verrisse zu nehmen wissen...

Wie gehen die Dufthersteller mit Burrs Kritik um? Können die ungeschönten Worte des berühmtesten Duftkritikers an der Parfümindustrie abprallen, wie der Pfeil an der Rüstung? Ganz sicher nicht, denn die Meinung des Kolumnisten schwebt wie ein Damoklesschwert über jeder Neulancierung. Aber selbst bei einem deutlichen Verriss, wie im Falle des Herrenduftes Allure Homme Sport von Chanel, fasste sich der verantwortliche Parfümeur Jacques Polge sehr schnell, griff zum Telefonhörer kontaktierte Chandler Burr und gab ihm halb entschuldigend recht: Der Duft sei eben wirklich ein rein kommerzieller Duft. Und Un jardin après la Mousson von Hermès wurde ebenfalls von des Duftkritikers Nase verschmäht. Dennoch kamen die Hersteller auf Burr zu und betonten die Wichtigkeit seiner Kritik: Besser einen unabhängigen Kritiker zu haben, als gar keinen. Frei nach dem Motto: "Ein Kunde, der sich beschwert ist besserer, als einer, der wegbleibt..."

Bei der Bewertung der Düfte geht der Kritiker sorgfältig analytisch vor. Er prüft jedes Parfüm nach vier Kategorien, denn laut Burr sind Parfüms einfach, klar und präzise aufgebaut. Und deshalb seien sie eben Kunstwerke im Gegensatz zum Wein zum Beispiel, der ein reines Naturprodukt ist.


Jeder Duft lässt sich anhand dieser Kriterien auseinander nehmen

1. Wie lange bleibt der Duft auf der Haut? Ein Duft, der sich sofort wieder verflüchtigt, taugt nichts.

2. Ist der Duft auch nach einer Weile noch gut zu erkennen? Wenn nicht, dann ist er sein Geld ebenfalls nicht wert.

3. Harmonieren die Moleküle miteinander, aus denen sich das Parfüm zusammensetzt? Dies ist eine schwierige Frage, die chemisches Wissen und technisches Können voraussetzt.

4. Ist der Duft neu und überraschend. Beeinflusst er die Stimmung und das Denken des Trägers / der Trägerin positiv?

Null Punkte bekommt ein Duft wenn es ihm gänzlich an Originalität mangelt, wenn er komplett dilettantisch und einfallslos produziert wurde. Danielle von Danielle Steele ist offensichtlich ein solcher Vertreter, denn er erhielt keinen einzigen Punkt. Fünf Punkte winken dem Kandidaten, bei dem alle Kriterien stimmen. Begeistert war Burr zum Beispiel von Ormonde Man by Ormonde Jayne oder von Eau Parfumée au Thé Vert von Bvlgari. "Sein Geruch ist so tief und stark und klar wie türkisches Meerwasser" befand der Duftkritiker der New York Times über den beliebten Klassiker mit grünem Tee.


Faszinierende Welt der Düfte

Überhaupt sind die Schilderungen des Kenners so amüsant wie bildreich. So duftet Lyric Woman von Amouage wie eine "silbrig-glänzende Jules-Vernes-Maschine, die leichter als Luft riecht". Im Zusammenhang mit dem Duft M by Mariah Carey spricht Burr aufgrund der zuckerigen Süße von dem Eindruck eines "Diabetikerschocks". Der Journalist mit der kritischen Nase findet auch schon mal, dass ein Parfüm "auf vulgäre Weise sexy riecht" (was klasse ist) oder eben wie "der Anus eines Tieres" (was als K.O.-Kriterium gilt).

Für den Idealzustand eines Duftes hat Burr eine ebenso treffende wie bildreiche Beschreibung parat: "Ein gutes Parfüm ist wie ein Feuerwerk oder wie eine Symphonie. Erst kommt die Grundfarbe, wenn sie verbrannt ist, steigen andere Farben auf, dann zünden Raketen, die hoch hinausschießen, am nachtdunklen Himmel entfalten sich leuchtende Blumen."

Bei soviel Poesie und Romantik gibt es auch eine nüchterne, unromantische Seite. Es ist die Sache mit den Widersachern Chemie und Natur. Burr hat dazu eine Auffassung, die nachvollziehbar und realistisch anmutet, auch wenn man sie nicht gerne hört. Demnach findet Chandler Burr die Dominanz der synthetischen Stoffe bei der Duftherstellung völlig in Ordnung. Der Aufbau eines Duftes sei wichtig, nicht deren Inhaltsstoffe, argumentiert der Kenner. Kommen wir zu seiner Philosophie zurück, dass Düfte Kunstwerke seien.

Im Labor nachgebaute Duftmoleküle passen folgerichtig zu artifiziellen Produkten. In der Regel besteht ein Duft zu 80 Prozent aus synthetischen Aromastoffen, die restlichen 20 Prozent sind natürlichen Ursprungs. Burrs Hypothese: In Zukunft werden immer mehr Düfte ausschließlich synthetisch nachgebaut werden. Die Vorteile für den Einsatz synthetischer Moleküle liegen für den Duftexperten auf der Hand: Die Nase merkt den Unterscheid nicht, künstlich erzeugte Stoffe rufen keine Allergien hervor und es sei "ökologisch sehr viel verträglicher, Geruchsstoffe im Reagenzglas zu mixen, statt mit der Axt in den Sandelholzwäldern von Indien herumzuwüten." Offengestanden, diese Argumente für Parfümherstellung mit synthetischen Stoffen nehmen auch dem größten Kritiker den Wind aus den Segeln.

Die Welt der Düfte hat den einstmaligen Duftignoranten völlig in ihren Bann geschlagen. So ist Chandler Burr weltweit unterwegs, um Vorträge über Düfte und Parfüms zu geben, er veranstaltet interaktive Meisterkurse zu Gourmand-Düften, die von einem 7-Gänge-Menü begleitet werden, das die Kursteilnehmer genussvoll verzehren können. Interessierte Laien kommen auf ihre Kosten, wenn sie bei Duftpapst Burr Workshops zu Aufbau und Struktur von Parfümen buchen. Spezialgebiet Burrs sind auch Düfte mit Rohstoffen aus Lebensmitteln wie zum Beispiel die Zuckerwatte bei Muglers Angel. So erfährt auch die übrige Welt und nicht nur die Leser der New York Times, dass der Kosmos der Düfte tatsächlich allumfassend ist.


Chandler Burrs Philosophie über Düfte kurz und knapp

  • Düfte sind Kunstwerke, deshalb bedürfen sie der Kunstkritik!

  • Düfte sollten vor allem originell sein und bei der Trägerin/beim Träger etwas Neues auslösen.

  • Der Aufbau eines Duftes ist wichtiger als die Infaltsstoffe. Der Einsatz synthetischer Stoffe ist vernünftig.

  • Moderne Düfte sollten nicht nach Geschlechtern aufgeteilt sein.

  • Jede Epoche bringt ihre eigenen Düfte hervor.

Text: Christiane Prang; Fotos: ISTOCKPHOTO

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28.07.14, 10:17:17